Wer etwas Besonderes wollte, stülpte dem Teil ein Brokatmäntelchen über.
Bei uns zu Hause war das Telefon außerdem mit einem Schloss an der Wählscheibe versehen, schließlich kostetet der Anruf 23 Pfennig.
Allerdings konnte man durch gezieltes Tippen auf der Gabel die Sperre umgehen.
Es gab feste Zeiten des Telefonierens. Morgens ab 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr war ok. In der Mittagspause war tabu, dann wieder ab 15.00 Uhr bis zur Tagesschau lautete das ungeschriebene Kommunikationsgesetz. Auf dem Dorf war es bis in die späten siebziger normal, dass nur einer in der Straße ein Telefon besaß. Meistens war das der Ortsbürgermeister und der musste dann von Haus zu Haus rennen, um den fremden Anruf weiterzuleiten, oder den Betreffenden ans eigene Telefon zu holen.
Die berühmte Sauerländerin Frieda Braun (Karin Berkenkopf) fasst die Entwicklung des Telefons übrigens sehr schön zusammen. 😃
Das Frieda-Video kommt zur richtigen Zeit. Großartig. Danke, Peter.
“Sag heute mal nem Jugendlichen: “Leg mal den Hörer auf die Gabel…”
Ich habe Frieda Braun bereits zweimal live gesehen, die ist wirklich spitze.
Ja, das kenne ich auch alles noch. Das gemietete graue Standard-Telefon. Die Brokathülle. Das Telefonschloss, dass man in die Nummer 3 stecken musste um die Notrufnummer 112 noch wählen zu können. Und eine neugierige und geizige Oma, die bei jedem Anruf hinter einem stand um bloss auch alles mitzukriegen was man mit seiner Freundin besprach und energisch mit dem Knöchel auf die Stereotruhe klopfte um dir zu sagen, dass Du endlich auflegen sollst, wenn die spezielle Eieruhr kurz davor war abzulaufen und Gefahr bestand, dass eine weitere Einheit des 8 Minuten Taktes die Rechnung erhöhte.
Nicht zu vergessen das Telefonregister der VEB Elaste und Plaste, das unter dem Telefon ruhte und wo durch Druck auf den Buchstaben des entsprechenden Nachnamens eine Schublade hevorschoss in der ein Blatt Papier lag, wo man mit Bleistift oder Kugelschreiber sowohl Namen als auch Telefonnummer des künftigen Gesprächspartners selber eintragen musste. In heutiger Zeit natürlich aus Datenschutzgründen höchst bedenklich.. 🙂
Die Sauerländer waren schon immer mit den Ruhrpöttlern technisch gleichauf.;-)