150 Jahre Telefon

Als Gra­ham Bell am 14. Febru­ar 1876 den Paten­ein­trag für das Tele­fon ein­reich­te, konn­te er nicht wis­sen, was aus sei­ner Erfin­dung wird. Obschon – bis vor vier­zig Jah­ren unter­schied sich das Tele­fon wohl kaum von dem, was Bell erfand. In mei­ner Kind­heit waren häus­li­che Tele­fo­ne Eigen­tum der Deut­schen Bun­des­post. Man konn­te sich eines mie­ten, das an einer Schnur an der Tele­fon­do­se im Flur oder im Wohn­zim­mer hing. Die Farb­aus­wahl war eben­so beschei­den wie ein­fach. Es gab die Plas­tik­tei­le in grau, oran­ge oder grün. 

Wer etwas Beson­de­res woll­te, stülp­te dem Teil ein Bro­kat­män­tel­chen über.
Bei uns zu Hau­se war das Tele­fon außer­dem mit einem Schloss an der Wähl­schei­be ver­se­hen, schließ­lich kos­te­tet der Anruf 23 Pfen­nig.

Aller­dings konn­te man durch geziel­tes Tip­pen auf der Gabel die Sper­re umgehen. 

Es gab fes­te Zei­ten des Tele­fo­nie­rens. Mor­gens ab 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr war ok. In der Mit­tags­pau­se war tabu, dann wie­der ab 15.00 Uhr bis zur Tages­schau lau­te­te das unge­schrie­be­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz. Auf dem Dorf war es bis in die spä­ten sieb­zi­ger nor­mal, dass nur einer in der Stra­ße ein Tele­fon besaß. Meis­tens war das der Orts­bür­ger­meis­ter und der muss­te dann von Haus zu Haus ren­nen, um den frem­den Anruf wei­ter­zu­lei­ten, oder den Betref­fen­den ans eige­ne Tele­fon zu holen. 

Die berühm­te Sau­er­län­de­rin Frie­da Braun (Karin Berken­kopf) fasst die Ent­wick­lung des Tele­fons übri­gens sehr schön zusammen. 😃

4 Gedanken zu „150 Jahre Telefon“

  1. Das Frie­da-Video kommt zur rich­ti­gen Zeit. Groß­ar­tig. Dan­ke, Peter. 

    “Sag heu­te mal nem Jugend­li­chen: “Leg mal den Hörer auf die Gabel…”

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  2. Ich habe Frie­da Braun bereits zwei­mal live gese­hen, die ist wirk­lich spitze.

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  3. Ja, das ken­ne ich auch alles noch. Das gemie­te­te graue Stan­dard-Tele­fon. Die Bro­kathül­le. Das Tele­fon­schloss, dass man in die Num­mer 3 ste­cken muss­te um die Not­ruf­num­mer 112 noch wäh­len zu kön­nen. Und eine neu­gie­ri­ge und gei­zi­ge Oma, die bei jedem Anruf hin­ter einem stand um bloss auch alles mit­zu­krie­gen was man mit sei­ner Freun­din besprach und ener­gisch mit dem Knö­chel auf die Ste­reo­tru­he klopf­te um dir zu sagen, dass Du end­lich auf­le­gen sollst, wenn die spe­zi­el­le Eier­uhr kurz davor war abzu­lau­fen und Gefahr bestand, dass eine wei­te­re Ein­heit des 8 Minu­ten Tak­tes die Rech­nung erhöhte.
    Nicht zu ver­ges­sen das Tele­fon­re­gis­ter der VEB Elas­te und Plas­te, das unter dem Tele­fon ruh­te und wo durch Druck auf den Buch­sta­ben des ent­spre­chen­den Nach­na­mens eine Schub­la­de hevor­schoss in der ein Blatt Papier lag, wo man mit Blei­stift oder Kugel­schrei­ber sowohl Namen als auch Tele­fon­num­mer des künf­ti­gen Gesprächs­part­ners sel­ber ein­tra­gen muss­te. In heu­ti­ger Zeit natür­lich aus Daten­schutz­grün­den höchst bedenklich.. 🙂

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  4. Die Sau­er­län­der waren schon immer mit den Ruhr­pött­lern tech­nisch gleichauf.;-)

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